Fred Steins Fotografie

Ein Kunstwerk entfaltet seine volle Wirkung erst im richtigen Rahmen. Doch was, wenn jedes Werk einzigartig ist? Die Ausstellung „Flüchtige Momente“ des Fotografen Fred Stein in der Leica Galerie Stuttgart zeigt eindrucksvoll, wie individuelle Passepartouts nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern ein entscheidendes Element der kuratorischen Gestaltung sind.

Fred Stein war ein Pionier der Fotografie, dessen Werk von ikonischen Porträts bis hin zu wegweisender Street Photography reicht. Als einer der ersten Nutzer der revolutionären Leica I, der ersten Kleinbildkamera in Serienfertigung, genoss er eine besondere künstlerische Freiheit: Er bestimmte für jedes Motiv den Bildausschnitt selbst. Diese kreative Eigenständigkeit führte zu einer Vielfalt an Bildformaten.

Fred
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Die Kuratorische Herausforderung: Harmonie im Detail

Dr. Verena Jendrus, Galeristin der Leica Galerie Stuttgart, stand vor der Aufgabe, 40 bis 50 ausgewählte Fotografien Steins in eine harmonische und ästhetisch überzeugende Ausstellung zu verwandeln. Weil das menschliche Auge nach Symmetrie und Ordnung sucht können – insbesondere leicht – unterschiedliche und dicht nebeneinander hängende Außenformate die Wahrnehmung stören und vom eigentlichen Kunstwerk ablenken. Die Lösung liegt im Passepartout – jenem Kartonrahmen, der zwischen Kunstwerk und Rahmen platziert wird.

„Die Rahmung ist der Moment, in dem der kleine, dünne Stapel der angelieferten Prints in das Volumen der Ausstellung verwandelt wird.“

Dr. Verena Jendrus Galeristin der Leica Galerie Stuttgart

Er schafft nicht nur einen visuellen Abstand und lenkt den Fokus auf das Bild, sondern erfüllt auch eine wichtige konservatorische Funktion durch physischen Abstand. Maßgefertigte Passpartouts mit ausgleichenden Randbreiten für jede einzelne Fotografie ermöglichen die Verwendung von Rahmen mit gleichem Außenformat, was in der Ausstellung eine optische Ruhe erzeugt.

Die Technische Lösung: Präzision Dank Konfiguration

Die individuelle Anfertigung jedes Passepartouts wurde durch den Einsatz des digitalen Rahmen-Konfigurators vereinfacht. Dieses Werkzeug erlaubte es Dr. Jendrus, für jeden Print die exakten Maße zu bestimmen und so ein Gefühl für die Wirkung des gerahmten Bildes, fotorealistisch in einer 3D-Raumansicht, zu bekommen. So konnten Proportionen, Randbreiten und sogar die Farbe des Passepartouts optimal auf jedes Werk abgestimmt werden. Ein entscheidendes technisches Detail ist, dass der Ausschnitt des Passepartouts umlaufend 3 Millimeter kleiner als das Bildmaß ist. Dies stellt sicher, dass das Bild sicher gehalten und ausgerichtet wird, ohne dass zu viel vom Endergebnis verdeckt wird.

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Das Passepartout: Mehr als nur ein Rahmen

Das Passepartout ist ein multifunktionales Instrument, das weit über eine reine Dekorationsfunktion hinausgeht: Es verleiht dem Bild Raum, verstärkt seine Wirkung und ermöglicht die optische Vergrößerung kleinerer Formate. Die Wahl der Randbreite und die Positionierung des Ausschnitts sind entscheidend für die visuelle Harmonie.

Hochwertiger, säurefreier und alterungsbeständiger Museumskarton schützt das Kunstwerk langfristig. Der Abstand zum Glas bewahrt empfindliche Oberflächen vor direktem Kontakt.

Die Ausstellung von Fred Steins Werken macht deutlich, dass die Qualität und Präzision der Rahmung der letzte, entscheidende Schritt sind, der eine Sammlung von Abzügen in eine kohärente, kuratierte Ausstellung verwandelt. Es ist der Brückenschlag vom einzelnen Foto zum musealen Ausstellungsobjekt.


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© Frank P. Kistner

Alle Abbildungen:
© Holger Strehlow, c/o Leica Store Stuttgart